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Der Genossenschafts-Deep-Dive
Sinn und Zweck der WOGENAU
Die WOGENAU
ist eine Wohnbaugenossenschaft in Augsburg, die an die historische und hundertjährige Tradition der Bestandsgenossenschaften der Stadt anknüpft. Ein wichtiger Aspekt der Genossenschaftsinitiative ist, Grund und Boden dem Kapitalmarkt zu entziehen – insbesondere in einer Zeit explodierender Bodenpreise und weniger städtischer Grundstücke. Die Konversionsflächen sind in großen Teilen verbaut. Aktuell trägt die WOGENAU durch Information und Präsenz in der Öffentlichkeit dazu bei, die Initiative für eine Konzeptvergabe für die Restflächen zu unterstützen. Die Mieten in der Stadt steigen ständig an (u.a. durch den wachsenden Zuzug aus München) – damit erhöht sich der Wohndruck. Zum einen verhindert der Mietanstieg bei Neubezug den Wohnungswechsel, zum anderen werden zu wenige kleine und gefragte (da bezahlbare) Wohnungen für Einpersonenhaushalte in Augsburg gebaut.
Bunte Bewohnerschaft im Wandel
WOGENAU nimmt sich zum Ziel, an den Bedürfnissen der Bewohner*innen der Genossenschaft als Mikrokosmos der Stadtgesellschaft anzusetzen. Das bedeutet: wir planen für Jung und Alt, für große Familien und Einpersonenhaushalte, für Studierende, Menschen mit Aufenthaltsgenehmigung und alleinstehende Rentner*innen – für Menschen, deren Leben nicht statisch ist, sondern sich verändert. Demnach wird das Wohnungsangebot verschiedene Wohnungsgrößen beinhalten sowie flexible „Jokerräume“ anbieten, die bei Bedarf zugemietet werden können.
„Rationalisierte“ Wohnung und große Allmende: Gemeinschaft braucht Raum
Die WOGENAU nimmt sich zum Ziel gut durchdachte Wohnungsgrundrisse zu entwickeln, um den privaten Wohnungsbedarf zu reduzieren. Damit einher gehen traditionelle Lösungen wie die Schaffung von Stauräumen sowie die grundsätzliche Reduktion von Besitz teilbarer Objekte des Alltags.
Ein gemeinsam genutzter Waschraum, ein Gästeappartement und eine Werkstatt für alle, ein Nutzgarten für die gemeinsame Bewirtschaftung, gemeinschaftliche Freiflächen, eine Lounge für den gemeinsamen Gebrauch – all diese Einrichtungen richten sich nach den Vorstellungen der Bewohner*innen.
Die WOGENAU plant 300 Quadratmeter gemeinschaftliche genutzte Allmend-Flächen, die sich nicht allein in abgeschlossenen Räumen wieder finden muss, sondern sich auch in Treppenhäusern und halböffentlichen Erdgeschosszonen abbilden kann. Die WOGENAU nimmt sich zum Ziel, die Gemeinschaftsräume nicht in Restflächen und Kellern zu verbergen. Im Gegenteil: Sie sollen sichtbar die Inhalte der Genossenschaft repräsentieren.
Zugang und Quartier: Kein Wohnprojekt reicht sich allein
Die WOGENAU will kein in sich abgeschlossenes Objekt für eine Exklusivgesellschaft mit gemeinsamen Zielen verwirklichen, sondern inklusiv und integrativ nach Innen und auf das Quartier und die Stadtgesellschaft wirken. Das bedeutet, dass das Erdgeschoss in weitmöglichsten Teilen wohnungsfrei bleibt und sich der Umgebung und nicht nur den Bewohnern anbieten soll.
WOGENAU plant mietbare Gewerberäume (150 Quadratmeter) für eine Bar, ein kleines Geschäft, ein Coworkingspace oder eine Fahrradwerkstatt.
Umsetzung der Ziele durch Selbstverwaltung, Partizipation und Solidarität
Das konkrete Nutzungskonzept und bauliche Umsetzung wird mit den Bewohner*innen in partizipativen Prozessen ermittelt und dann als Maßnahmenkatalog für den Raumplan den Architekten vorgelegt. Im vorher festgelegten Rahmen wird die bauliche Umsetzung in wechselnden Austausch mit den Planern und den Bewohnern entwickelt.
Die gemeinsam beschlossenen und finanzierten gemeinschaftlich genutzten Räume der WOGENAU sollen durch Selbstverwaltung/Selbsthilfe und nach dem Prinzip der Solidarität und Demokratie organisiert und betrieben werden.
„Schön“ und ökologisch
Architektonischer Anspruch sowie ökologische Faktoren werden dabei eine wichtige Rolle spielen. Nachhaltige Baustoffe, energieeffizientes Bauen sowie ökologische Versorgungskonzepte (Wasser/Strom/Heizung) werden weitmöglichst berücksichtigt. Ein Mobilitätskonzept soll entwickelt und eingereicht werden, das den Bewohner*innen ermöglicht, auf das eigene Auto zu verzichten, sodass die Stellplatzverpflichtung minimiert werden kann (Ziel: 0,6).
Der WOGENAU ist die Gestaltung der Freiflächen besonders wichtig. Es soll keine abgeschlossenen Einzelgärten geben, sondern halböffentliche Räume, die attraktiv für die Bewohner*innen (Kinder UND Erwachsene) sind und als Treffpunkte mit den Nachbarn dienen.
WARUMGENAU gründet man eine Wohnbaugenossenschaft?
...um gemeinschaftliche Wohnprojekte zu realisieren, die irgendwie besonders sind. Werden Ideen, Kapazitäten und finanzielle Mittel gebündelt, können interessante Bauprojekte entstehen, die weit mehr als nur faktischen Wohnraum bieten.
Von Dachgärten, gemeinsamen Gästezimmern über flexible Ateliers und Werkstätten – die Genoss*innen können nicht nur gesellschaftliche und gemeinschaftliche Ziele formulieren, sondern ihren Lebensraum planen, gestalten und idealerweise bauen.
Dorthin ist es noch ein langer Weg. Aber der Anfang ist gemacht. Bei der WOGENAU wohnt man nicht durch Zufall, sondern weil man es möchte. Deswegen haben Wohnprojekte dieser Art oft eine positive Auswirkung auf das gesamte Quartier. Selbst zu bauen und nicht auf die Angebote des Miet- und Immobilienmarktes angewiesen zu sein, ist außerdem ein Akt der Selbstermächtigung. Er kostet Kraft, bringt aber auch Spaß.